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Kaktus des Jahres 2016

Discocactus horstii ist Kaktus des Jahres 2016

Die Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V. hat Discocactus horstii zum Kaktus des Jahres 2016 gekürt. Seit der Neufund dieser kleinsten und besonders attraktiven Discocactus-Art in der Fachwelt für Aufsehen sorgte, erfreut sich die in Kultur recht anspruchsvolle Art bei Kakteenfreunden ungebrochener Beliebtheit.

Der Gattungsname Discocactus bezieht sich auf das altgriechische „δίσκος“ („diskos“), „(Wurf-) Scheibe“ und spielt auf die niedergedrückt kugelige Körperform der Pflanzen an, während der Artname den brasilianischen Kakteenforscher Leopoldo Horst als Entdecker der Art ehrt. Die niederländischen Botaniker Albert F. H. Buining und Arnold J. Brederoo veröffentlichten 1973 die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Discocactus horstii.

K1 2016Erst zwei Jahre zuvor, 1971, hatten Horst und Buining Discocactus horstii im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais in dem Landschaftsschutzgebiet Parque Estadual de Grão Mogol erstmals gefunden. Die nur zwei Zentimeter hohen und bis zu sieben Zentimeter breiten Kakteen wachsen auf rund 1.000 m Höhe an einem Hangauf und zwischen Quarzitgrus und grobem Kies. Da sich die Pflanzen bei Trockenheit unter die Erdoberfläche zurückziehen, verbergen sich die deutlich gerippten, bräunlich-grünen Körper mit ihren hellen, kurzen, am Körper anliegenden Dornen auf weißbewollten Areolen oft vollständig unter dem weißen Gestein.

Im blühfähigen Alter bildet Discocactus horstii wie alle Discocactus-Arten im Scheitelbereich ein Cephalium, das heißt eine kreisrunde, aufgewölbte Blühzone mit weißer Wolle, die von borstenartigen Dornen durchsetzt sein kann. Aus dem Cephalium treten im Sommer die Knospen hervor. Die weißen, trichterförmigen Blüten, ebenso groß oder größer als der Zwergkaktus selbst, öffnen sich nachts und duften angenehm vanilleartig.

Nachdem das Habitat von Discocactus horstii inzwischen Teil des staatlichen Nationalparks Grão Mogol ist, hat sich die vormals durch den Abbau von Mineralien stark K2 2016bedrohte Population bis auf weiteres offenbar erholt. Die natürlichen Vorkommen anderer Mitglieder der in Brasilien, Bolivien und Paraguay verbreiteten Gattung sind nach wie vor bedroht. Daher sind alle Discocactus-Arten im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens verzeichnet und unterliegen damit internationalen Handelsbeschränkungen.

Nach den recht populären und in der Pflege eher anspruchslosen Kakteen der vergangenen Jahre würdigt die Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V. mit Discocactus horstii im Jahr 2016 eine in Kultur etwas heikle Pflanze, die sich definitiv nicht für die Fensterbank empfiehlt. Das im Vergleich zu anderen Kakteen hohe Licht- und Wärmebedürfnis in den Wintermonaten und die äußerste Empfindlichkeit gegenüber Nässe zur falschen Zeit machen den Kaktus des Jahres 2016 zu einer vor allem für den erfahrenen Kakteenliebhabern empfehlenswerten Art, die, meist gepfropft, ihren Blütenzauber nur bei Überwinterung im mindestens 15 Grad Celsius warmen Gewächshaus entfaltet.

Fotomaterial: Andreas Hofacker, Konrad Herm

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