close

 Benutzeranmeldung

 

Top Panel
Hans Till verstorben PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, 28. Januar 2012 um 17:31 Uhr
 Hans Till

 *16.12.1920 24.1.2012

Betroffen mussten wir die Nachricht zur Kenntnis nehmen, dass Hans Till nicht mehr ist. Es ist kaum vorstellbar, ihn nicht mehr im Laufschritt durch seine Gärtnerei laufen zu sehen, nicht mehr mit ihm in hitzigen Diskussionen über Gymnocalycien verwickelt zu sein, nicht mehr mit ihm als Vermittler auf menschlich hohem Niveau ein Glas schönen Rotwein trinken zu können.

Hans Till

Hans Till war Mr. Gymnocalycium, so wie es einmal ein Kakteenfreund bei einer Gymnocalyciumtagung auf den Punkt brachte.

Diese Leidenschaft und die Begeisterung an und für die Pflanzen dieser Gattung war einfach immer spürbar und war sicher auch eine seiner rastlosen Antriebskräfte. Er wollte einfach alles taxonomisch und nomenklatorisch Relevante bei Gymnocalycium zuerst klären und  darauf aufbauend, eine innovative Neuordnung innerhalb dieser Gattung kreieren. Ein Unternehmen, das einen Großteil seiner Zeit, nach der Übergabe seines Gärtnerbetriebes in die Hände eines seiner Söhne, in Anspruch nahm.

Johann Anton Till, so sein voller Name, wurde am 16. Dezember 1920 in Arad (Rumänien) geboren. Seine Mutter arbeitete als Modistin und der Vater als Uhrmacher.  Die Liebe zur Natur und besonders zu den Pflanzen erbte Hans Till sicher von seinem Vater. Schon früh wurde der Wunsch laut, nach dem Gymnasialabschluss als Gartenarchitekt zu arbeiten. Die wirtschaftlich schweren 30er-Jahre ließen die elterliche Familie verarmen und Hans musste das Gymnasium verlassen. In der bekannten und angesehenen Handelsgärtnerei Carl Reichert in Temeschburg (Temesvar) konnte er aber eine Lehrstelle erhalten. Reichert übergab kurz darauf seinen Betrieb an seinen Sohn und wurde Hofgärtner bei Prinzessin Elisabeth von Hohenzollern-Siegmaringen (später Königin von Griechenland). Den jungen Gärtnergesellen nahm er dabei mit. In den nächsten Jahren konnte Hans Till sein gärtnerisches Wissen dank der exotischen und reichhaltigen Bepflanzung des Gartens und der Gewächshäuser, stark erweitern.

1940 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und musste an die Front bei Murmansk. Er wurde zu Kriegsende in Gefangenschaft genommen und gelangte nach seiner Freilassung 1945 nach Braunau am Inn, wo er in einer Gärtnerei Arbeit fand. Hier lernte er auch Rosa kennen und lieben und ehelichte sie 1946. 4 Kinder entsprangen dieser Ehe.

1951 konnte er sich selbstständig machen und eröffnete einen kleinen Gärtnerbetrieb in Attersee.

Nach kontinuierlichem Aufbau und ebensolcher Erweiterung konnte Hans Till seinem zweitältesten Sohn Günter dann Mitte der 80er-Jahre einen guteingeführten Betrieb übergeben und in den Ruhestand treten. Als Gärtner hatte er aber schon früh eine große und  artenreiche Kakteensammlung aufgebaut. Er hatte sich durch viele Publikationen über Kultur und Beobachtungen an den Pflanzen bereits einen Namen als Kenner der Materie erworben. Erste Publikationen von neu erkannten Pflanzen, besonders in Zusammenarbeit mit seinem Freund Stefan Schatzl, folgten. Um ein größeres Diskussionsforum zu schaffen, wurde die Atterseetagung ins Leben gerufen und, initiiert durch die zunehmende Spezialisierung auf die Gattung Gymnocalycium, wurde 1974 zusammen mit Helmut Koop der Versuch unternommen, eine eigene Arbeitsgruppe zum Studium dieser Gattung zu organisieren.

In den 70er-Jahren war Hans Till über mehrere Jahre Vorsitzender der Oberösterreichischen Landesgruppe der Gesellschaft Österreichischer Kakteenfreunde. Jahre in denen er nicht nur engagiert diese Gruppe leitete, sondern in dieser Zeit auch sein umfangreiches Wissen mit jungen Pflanzenfreunden teilte.

Immer mehr beschäftigte sich Hans Till mit seinen Gymnocalycien. Bei der Sammlungsverkleinerung und dem Umzug der Pflanzen in das neue Glashaus blieben alle Pflanzen anderer Gattungen auf der Strecke. Um noch mehr Informationen über seine Pflanzen zu bekommen, suchte er den Kontakt mit allen, zu dieser Zeit bekannten Größen der Kakteenwelt. Besonders stolz war er, als von Walter Rausch 1970 ein, noch dazu rotblühendes Gymnocalycium zu seiner Ehre beschrieben wurde.

Gymnocalycium tillianum

Der nächste Höhenpunkt in seinem Leben fand 1987 statt. Er konnte das erste Mal zum Studium seiner geliebten Pflanzen nach Argentinien reisen. Vergessen waren nun seine vorangegangenen gesundheitlichen Probleme. Dynamisch und neu motiviert, voller neuer Erkenntnisse, trieb er nun sein Studium weiter. 1988 folgte die zweite Argentinienreise, an die sich 1990, 1993 und 1996 noch weitere anschlossen. Und man suchte eine Möglichkeit, dieses angesammelte Wissen in gedruckter Form zu veröffentlichen. Zusammen mit einer Handvoll Gleichgesinnter wurde 1988 die Arbeitsgruppe Gymnocalycium gegründet und nun konnten in einer eigenen Zeitschrift die erarbeiteten Ergebnisse publiziert werden.  Heute muss man ohne Übertreibung feststellen, dass die Zeitschrift "GYMNOCALYCIUM", mit kleinen Abweichungen und Ergänzungen von anderen Autoren, das nun leider nicht mehr vollständig werdende Dokument des Lebenswerkes von Hans Till ist.

Ob seiner Verdienste wurden Hans Till eine Reihe Ehrungen zu Teil. Neben Gymnocalycium tillianum trägt auch ein Pilosocereus seinen Namen. Die Oberösterreichische Landesregierung ernannte ihn 1997 in einem Festakt zum Wissenschaftlichen Konsulenten. Die Gesellschaft Österreichischer Kakteenfreunde ernannte ihn zum Ehrenmitglied und konnte ihm 2010 zu seiner 50jährigen Mitgliedsschaft auch den Ehrenteller der Gesellschaft überreichen. Der ZV Oberösterreich ehrte ihm mit dem Ehrenvorsitz.

Mit Hans Till verliert die Kakteenwelt einen Spezialisten, die diversen Gymnocalyciumgruppen eine Gallionsfigur und ich einen Menschen, mit dem ich seit 40 Jahren in Freundschaft verbunden war.

Wolfgang Papsch

 
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 31. Januar 2012 um 21:36 Uhr